Mit sechs Motorräder zum Nordkap Fragen: E-Mail
Juni 2004

Wie alles begann:  Wir werden zu sechst fahren.

Die Idee entstand im August 2002. Damals warteten Steffen und ich = Roberto (natürlich mit unseren Frauen) am Bahnhof in Avignon, nach einer zweiwöchigen Südfrankreichrundfahrt, auf den Bikerzug Richtung Heimat. Na ja und da entstand sie: „Die Tour zum Nordkap“. Wir wollten uns zweieinhalb Wochen Zeit nehmen und die kurze Route, über Finnland aufwärts zu nehmen.
Zu Hause angekommen wurde es dann ernst, wir fingen an zu planen. Es entstand eine Liste, was man unbedingt mitnehmen sollte. Urlaub musste verschoben werden, Bikerfreunde wurden gefragt, wer denn mitkommen würde. Es ging sogar soweit, dass wir für die Tour eine eigene Internetseite bauten, mit Streckenverlauf, Infos und einem Zähler der die verbleibende Zeit anzeigte. Ich glaube, es blieben uns damals noch 450 Tage. Da wir auf einigen Bikertreffen im Jahr unterwegs sind, ist es dann auch nicht verwunderlich, dass Renato und Torsten aus Malchin die Tour mitmachte.
Und dann endlich, nach unzähligen Zahlenschreiben auf der Tratschseite des "Babelsberger-Stern", der Zähler zeigte nur noch wenige Minuten an, konnte es losgehen.

 

1. Tag Potsdam - Rostock 235 km Renatos Mopped geht kaputt

Jeder hatte sein Mopped gepackt, incl. 48 Büchsen Bier - halber Liter versteht sich - , und so konnte die Tour (Enrico, Roberto, Steffen) um 15:00 Uhr ab der 14 A beginnen.
Wo ging es hin? Erst einmal zu Martin, den wir von der Arbeit abholten. Da stand sein Verabschiedungskomitee, seine Eltern, seine Arbeitskollegen und wir natürlich, die auf Martin warteten, da er sich ja noch verabschieden musste. Übrigens die Tour begann mit Regen und er sollte uns auf der ganze Tour nicht loslassen.
Um 17:20 Uhr waren wir Glasewitz –Entfernung zum Hafen Rostock ca. 50 km - an der Raststätte, wo wir uns mit Torsten und Renato treffen wollten. Wo waren sie? Weit und breit keine Malchiner Moppeds zu sehen. Was war passiert? Renatos Mopped streikte unterwegs. Wo? Er war keine 20 km gefahren und hatte wohl noch seine Leute aus seinem Dorf vor Augen. Er erzählte uns später: „In meinem Dorf postierten sich an der Ein- und Ausfahrt meine Nachbarn und machten Fotos von der Abfahrt zu meinem Trip Richtung Norden“. Hätten die gewusst, er stehe in 20 km weiter mit defektem Mopped, die wären bestimmt ... . Ihr merkt, die Tour hatte in den zwei Jahren Vorbereitung einen hohen Stellenwert, nicht nur in Potsdam erhalten. Na ja egal oder auch tolle Nachbarn. Wir hatten jedenfalls bis um 18:30 Uhr Zeit, um zur Fähre weiter zu fahren.
Renatos Mopped wurde von seiner Werkstatt abgeholt und die Mechaniker versuchten herauszufinden, warum sie nicht mehr ansprang. Kommt jetzt nicht auf die blöde Idee und sagt: "War überhaupt Sprit im Tank". Lustig, lustig. Ausreichend Sprit war drin, denn wir wollten ja zum Nordkap. Komisch, trotzdem entleerten sie den Tank, kippten neues Benzin auf. Nachdem sie noch eine Kerze wechselten, sprang sie auch wieder an, und fuhr und fuhr. Jedenfalls bis Alta, wo sie dann wieder stehen blieb, dazu aber später. Kurz, Renato eilte uns zur Fähre hinterher, die dann planmäßig mit uns um 21.00 Uhr in Richtung Hanko ablegte.

  2. Tag Hanko - Lahti 225 km Wir waren 21 Std. auf der Fähre

Ihr könnt Euch bestimmt vorstellen, dass wir natürlich nicht gleich in die Kojen gingen. Erstens mussten wir ja ein Bierchen auf die erste Etappe trinken, zweitens hatte ich zum Geburtstag "Stroh 80" geschenkt bekommen, den wir dann in einer geruhsamen Ecke, mit Cola versteht sich, mischen. Ehrlich gesagt nahm ich an, dass der Fusel vielleicht zwei, drei Tage länger halten würde. Aber wie es immer so ist, wir gingen erst, als der Stroh verbrannt war. Es war um 04:00 Uhr. Grüße an die Drei aus Hannover, die sich dazu gesellten.
Um 9:30 Uhr, einer steht immer zu erst auf, organisierten wir erst einmal die Morgentoilette. Es ist nicht gerade einfach in einer Vierbett- Kabine mit vier Männer und unzähligen Motorradsachen sich gleichzeitig auf den Tag vorzubereiten.
Die Idee, der erste geht duschen - und wie es dann immer so ist, gerade wenn du duschen willst, will einer auf die Toilette- , jedenfalls der zweite sucht schon mal seine Sachen zusammen und die anderen beiden müssen noch in der Koje bleiben. Dann wird das Rotationsprinzip angewandt, so dass dann jeder geduscht, mit seinen eigenen Sachen und mit den unterschiedlichsten Deos startklar ist. Martin meint, wir haben es gut wir sind das gewohnt, denn wir waren bei der Armee. Er nicht. Ich glaube an diesem Tag entstand dann auch der Hinweis, " Martin, könn wir dann".
Es war jetzt 10:30 Uhr und wir gingen, die Malchiner waren auch fertig- sie hatten eine Zwei-Bett-Kabine-, an Deck. Gegen 13:00 Uhr gönnten wir uns für 18,50 € ein super Buffet. Schlemmen bis zum abwinken
Dabei kam natürlich wieder die Diskussion auf, wie weit wir mit unserem Bier reichen würden. Rechnungen wurden aufgestellt, wie viel wir am Tag von den Döschen trinken können, so dass sie bis zum Ende reichen. Nur, es war uns dann auch zu blöd, die Leckereien einzuteilen. Also gingen wir in den Shop und kauften uns jeder noch eine Stiege Bud, 0,33 L für 0,32 €. Toller Preis für da oben. Dann ging es mit den Stiegen in die Kabine. Gut das wir Erfahrung hatten und uns mit dem Rotationsprinzip auskannten, so dass wir dann mit vier Männern, vielen Motorradsachen und vier Stiegen Bier auf engsten Raum alles verpacken konnten. Irgendwie mussten wir ja den ganzen Kram nachher auf dem Mopped verstauen. Keine Angst wir haben nichts zurück gelassen. Da wir uns vorher nicht richtig erkundet hatten, ob die Zeit in Finnland nun eine Stunde vor oder zurück gestellt wird, war dann auch der Aufbruch, die Fähre zu verlassen, greifbar nahe. Sie wird vorgestellt bzw. bleibt unverändert, da wir ja zum Sommer zurückstellten. So kamen wir nach unserer Zeit schon um 18:00 von Bord.
Da war es nun das Finnland, auf das was wir uns über ein Jahr gefreut hatten. Jetzt berührten unsere Pneus den Boden und wir legten endlich die ersten 300 m zurück. Kurze Rast war angesagt, denn wir verstauten alles an den Moppeds und kamen nach 30 min weiter.
Jetzt geht es also los. Denkste, nach ca. 3 km die nächste Rast. Wieder Halt an einer der vielen WebCams, die wir im Vorfeld ausgemacht hatten. Also, 20 min warten, damit wir auch wirklich drauf sind. Bestens, zu Hause hat man uns im Internet gesehen.
Unser Tagesziel von 100 km erhöhten wir auf 225 km.
Nach einer kurzen Rast - übrigens das Bild ist gestellt -, kamen wir in Lahti an und schauten uns nach einer passenden Stelle zum Zelten um. Es war 22:45 Uhr als wir sie fanden. Zuerst mussten wir ein Döschen trinken, da ja die leere Dose zum Abstellen der Moppeds gebraucht wird.
Renato der sich nichts aus den kleinen und großen Dosen macht, besorgte in der Zwischenzeit Holz für unser abendliches Feuer. Nachdem wir dann unsere Zelte aufgebaut , noch ein paar Döschen getrunken hatten, zum Feuer schauten - wo Martin mit seiner neuen Liebe telefonierte- und uns fragten, wo nun die Mücken sind, ging es gegen 01:00 Uhr auf die Matte. Es regnete.
Gute Nacht, Biker.

 

3. Tag Lahti - Oulu 523 km ein Tag im Regen

Heute war Kilometerfressen angesagt, da wir Finnland so schnell wie möglich durchfahren wollten.
Also, 9:30 Uhr raus aus dem Zelt und bei 11 Grad und Nieselregen alles zusammen gepackt. Erstaunlich, nach einer Stunde waren wir fertig. Da der Regen stärker wurde, entschlossen wir uns gleich die Regenkombis anzuziehen. Nur gut dass einige von uns bemerkt haben, dass man die Preisschilder von den Kombis abmachen sollte. Denn die waren so neu, eigentlich zu Schade anzuziehen.
Unser Weg führte uns über glatte, schnurgerade Strassen, fast kerzengerade Richtung Norden. Da wir mit ca. 90-110 km/h ohne Verzögerungen fuhren, kamen wir trotz des Regens gut voran.
Hier mal eine Antwort auf eine vielleicht von euch gestellte Frage: Was heißt, ohne Verzögerung:
Antwort:
a: wenige Überholvorgänge,
b: passieren von maximal zwei Ampelanlagen- wir hatten jedes Mal grün,
c: rechts und links nichts weiter zu sehen, außer ... Wir waren z.B. in ... . Keine Angst. Kultur war auch manchmal angesagt. Hoffentlich kriege ich das alles zusammen. (He Biker helft mir jetzt!)
Na jedenfalls, war biken hauptsächlich angesagt. Wir fuhren immer so ca. 1/12 -2 Std., machten eine Pause und weiter ging´s.
Mittags, - das heißt an diesem Tag 15:00 Uhr - hielten wir an einem ABC Restaurant an. Keine Ahnung für was die drei Buchstaben stehen. Wir geben jedenfalls für diese Kette unsere Empfehlung, da wir uns dort vom Buffet  für 7,50 € reichlich bedienen konnten. Drei Gerichte, Obst, Café, Milch, Wasser alles incl. Man haben wir Milch getrunken. Hoffentlich erhöhen sie nicht die Preise, wenn das nächste Mal eine Horde Biker anhält.
Na ja und wenn man dann so beim essen ist, und wieder Zeit für andere Sachen des Lebens hat - außer permanent zu biken-, stellte Martin fest, warum seine Biker Hose trotz Regenkombi im Sitzbereich nass war- hab ich mich jetzt aber förmlich ausgedrückt. Wieso sie nass war? Sie war ihm im Schritt aufgerissen. Schade, er hätte mal das Preisschild dran lassen sollen, so war sie halt nicht mehr neu. Jetzt wollt Ihr wissen, wo er sie gekauft hatte? Jedenfalls bei Hein Gericke oder Louis nicht.
So kam es dann auch, dass wir eine neue Kombi besorgen mussten. Denn wir rechneten auf der Tour weiterhin mit reichlich Regen, womit wir im nachhinein Recht hatten.
Also, Regenkombi wieder an - diejenigen die noch eine intakte hatten - und ab für die nächsten 120 km bis Oulu. Da der Regen aufhörte und wir nicht mit Regenkombis nach Oulu reinfahren wollten, zogen wir sie wieder aus. Wer schon mal eine Regenkombi getragen hatte, weiß das man unter den Dinger ziemlich schnell anfängt zu schwitzen. So gut sie im Regen sind aber sie lassen halt auch keine Luft durch. Also, raus aus den Teilen.
Wir hatten Glück das wir in Oulu einen finnischen Biker trafen, der uns einen bzw. den einzigsten  Motorradladen im Umkreis von 500 km zeigte. Nur konnten wir dort erst morgen antanzen, da wir in Oulu gegen 19:00 Uhr waren und die Läden schon um 18:00 Uhr schlossen.
Also hieß es, Übernachtung suchen. Da es neben dem Moppedladen einen MC Donald gab, beschlossen wir dort morgens zu frühstücken.
Wir wollten diesmal auf einem Zeltplatz unser Lager aufschlagen, da mal wieder Duschen angesagt war. Dort, ca. 20 Uhr angekommen und nach den Preisen gefragt -keine Angst wir mussten nicht in Landessprache mit den Leuten reden- stellten wir fest, dass uns zwei Hütten billiger kamen, als das jeder für ein Zelt bezahlt.
Hier mal eine Rechnung für euch: Eine Hütte für vier Pers. kostet 29 €, zwei also 58€ und das durch sechs, ist? Na! Aha, der Preis war echt super.
Prima, wir schliefen also das erste Mal in einer finnischen Hütte. Na ja, Hütte war es auch wieder nicht. Es war halt ein Bungalow, mit zwei hölzernen Doppelstock-Betten, einer Kochplatte, zwei hölzernen Bänken, dazugehörigen Tisch und mit reichlich Platzangebot zwischen den Möbeln. Rotationsprinzip Ade.
Nachdem wir dann wieder ein, können auch zwei gewesen sein, Döschen geleert hatten, Martin mal wieder länger mit seiner Flamme telefonierte und dann auch noch Zeit hatte mit uns mehr als zwei Bierchen zu trinken (Martin ist dann auch früher zu DS- Bett), Renato kein Lagerfeuer machen konnte, Torsten seinen Apfelsaft (ihr wisst ja, der mit 18 %) trank, Fotos geschossen und wieder viel viel gelacht haben- über was eigentlich-, gingen wir gegen 02:00 Uhr zu Doppelstock-Bett. Martin schlief tief und fest. Schnarcht er?
Gute Nacht, Biker.

4. Tag Oulo - Ivalo 522 km Polarkreis überquert

Habe ich mich im Tagebuch verschrieben? Aufgestanden um 08:30 Uhr, Abfahrt 11:30 Uhr Richtung Norden. Was haben wir drei Stunden gemacht? Wir mussten keine Zelte zusammen bauen. Ach, jetzt fällt es mir ein. Na klar, wird sind noch zum Moppedladen.
Wetter heute früh: 17 Grad und kein Regen. Also, ab zum Duschen, alles aufpacken und los geht´s.
Wir hin zu dem Moppedladen. Gut das wir vorher nicht gefrühstückt hatten, sonst wäre uns alles hoch gekommen. Warum? Ganz klar, satte Preise im Bikerzentrum. Martins Regenkombi kostete satte 75 €. Dazu ein Satz Überzieher für die Handschuhe + eine Sturmhaube, waren zusammen 130 € weg. Wahnsinn. Na ja weg waren sie nicht, sie blieben halt in Finnland. Was soll´s, hilft ja alles nichts. Also kauft Euch dort oben keine Bikes, denn die Preise für die edlen Teile, nicht zu bezahlen. Unsere Bikes haben hier fast neuwert. Dafür könnten wir mit der Aida - die wir später noch kennen lernen werden- in Skandinavien für vier Wochen rumschippern. Keine Angst, wir doch nicht, wir geben unsere Freiheit nicht her.
Knast, wir hatten jetzt aber wirklich Knast. Also, ob zu MC Donald nebenan. Dort wurden wir vom Personal strahlend empfangen. Meinten die uns? Ja wir, na ja, wir waren ja auch frisch geduscht und frisch gestriegelt und mit den unterschiedlichsten Deo´s besprüht. Jedenfalls hat dann Renato komischer Weise (Warum nur?) gleich zwei Menüs für sich bestellt, irgendwelche Fischburger. Somit auch gleich vier Burger, zwei große Cola + die Pommes, natürlich auch zweimal, versteht sich. Danke, wir aßen mit.

Wir trafen dort noch zwei Harley-Fahrer aus Berlin - die sahen nicht frisch geduscht aus - die ich kurz erwähnen möchte. Also, die hatte echt Pech auf Ihrer Tour. Die sind in ein dreitägiges Unwetter gekommen. Geschafft haben sie dabei gerade mal 200 km. Hagelkörner so groß wie ..., so das die Cockpit- Scheibe zerbarst. Windböen, so das sie im Hotel gefangen waren. Also ziemlich hart mitgenommen. Wir gaben Ihnen unseren Respekt und sahen zu, dass wir dann mal endlich weiter Richtung Norden kamen. Es war jetzt 11:30.
Mit voll getankten Moppeds hielten wir nach 200 km bei Jotillo an der nächsten Web Cam an. Hier gab es das vorher von uns schon bekannte Problem, das die Cam sich sehr unregelmäßig aktualisierte. Kurz. Wir blieb dort 45 min und fuhren im Endeffekt 2 min zu früh los. Also, das war dann mal vergebens.
Nächstes Ziel ist der Polarkreis. Nachdem jeder seine Nordlandfahrer-Urkunde erhalten hatte und wir nicht den exakten Polarkreispunkt fanden, zwecks Fotos,  wurde das Foto mit dem Hintergrund des Weihnachtsmannhauses gemacht. Nett nett.
Und jetzt kommst. Steffen und Renato, wissen nicht wohin mit der Urkunde. Also geben sie sie Torsten. Ich sage noch, wenn ihr dann mal nicht irgendwo Pech habt, weil Ihr die Urkunde nicht bei Euch tragt, sag ich so aus Spaß. Prompt passiert dann später auch was. Wenn ihr ordentlich gelesen habt, kennt Ihr schon Renatos Dilemma. Steffens Problem, da müsst ihr noch ein bißchen Weiterlesen.
15:30 Uhr. Nachdem wir in der Sonne Café getrunken und unsere Bikes aufgetankt hatten, ging´s auf schnurgeraden Strassen weiter Richtung Norden. Es wurde langsam kälter.
Vorbei an einer landebahnähnlichen Straße- kurz ein bißchen mit den Moppeds getobt und als Video aufgenommen- verstrich die Zeit immer schneller. Es war jetzt schon wieder 19:30 Uhr und wir suchten ein Nachtlager. Bei Saarisälkä fuhren wir dann noch auf den 438 m hohen Kaunispää. Oben angekommen mit einer Wahnsinnssicht, stellten wir fest, dass es mal keine gute Idee wäre, hier unser Lager aufzustellen. Noch war es dort Windstill bei  5-6 Grad. Aber, wer weiß wie schnell das Wetter umschlagen würde. Also weiter.
Steffen entdecke dann auch noch die nächste uns bekannte Web Cam. Rast, warten bis zum auslösen und zu Hause anrufen, damit das Bild gespeichert wird. Wir waren nämlich einen Tag bzw. 12  Std. zu früh hier.
Um 21.30 Uhr fanden wir dann eine Stelle bei Ivalo und es begann der normale uns bekannte Ablauf. Renato organisierte wieder das abendliche Feuer. Enrico, Steffen und ich hatten Durst auf ein zwei Döschen., Torsten trank Apfelnektar, Martin telefonierte mit seiner neuen Flamme.
Da wir aber noch das eine oder ander organisieren mussten, wie z.B. die Zelte stellten sich nicht alleine auf; die Luftmatratzen waren nicht aufgeblasen, und, und, und. Kurz, es wurde dann wieder 02:00 Uhr bis wir mit allem fertig waren.
Und das nennt man nun Urlaub, würde bestimmt der eine oder andere sagen. Aber nicht für uns. Für uns war es pure Freiheit.
Das hätte ich fast vergessen. Renato hatte während des Holzsammelns einen intakten märchenhaften Brunnen gefunden. Nun mussten wir uns auch noch waschen. Grins.
 

5. Tag Ivalo - Nordkap 458 km heute Abend sind wir am Nordkap

08:00 Uhr Renato ist der erste, der bei schönen heiteren 13 Grad aus dem Zelt krabbelt. Seinen ersten Gang widmet er dem Brunnen. Waschen ist angesagt. OK, was soll´s wir müssen auch aufstehen. Der Weg ist weit bis zum Kap. Dazwischen gibt es Punkte an denen wir halten wollen. Zu erst der Inarisee -Aussichtspunkt und dann die Bärenhöhle. In Norwegen wollen wir dann noch einen Hafen besuchen. Stichwort frischer geräucherter Lachs.
10:00 Uhr wir fahren los. Kommen auch nur 2 km weiter. Da unser Treibstoff für unsere Moppeds gestern Abend schon ziemlich am Ende war, müssen wir logischerweise an die Tankstelle. Tolle Tankstelle im Stiel der dort vorherrschenden Architektur. Klar trinken wir hier noch einen Cafe, so dass wir dann nach 30 min weiterkommen. Es ist dann auch nicht mehr weit bis zum Inarisee-Aussichtspunkt, an dem wir, bei dem heutigen super Wetter anhalten. 3 € Eintritt und wir sind drin. Man haben wir heute ein Glück, Sicht so weit das Auge reicht. Hier erfahren wir auch, dass es im Winter bis auf -45 Grad runter geht. Toll lasst uns weiter fahren. Nächster halt nach paar Kilometer, die Bärenhöhle. Enricos Vater sagte, wir sollen hier unbedingt anhalten. Machen wir. Aber in der Höhle waren wir nicht. Wir ziehen es vor, geräucherten Lachs und Rentierfleisch zu essen. Gab es da sonst noch was? Eigentlich nicht. Na vielleicht, das eine deutsche Reisegruppe, die wir schon am Inarisee getroffen hatten, mit uns das Gespräch suchten. Gut das Enrico und Martin, bestens als Bikersprecher geeignet sind. So konnten wir dann auch in Ruhe unseren Lachs essen.
Es ging dann weiter. Die bekannte Berg -und Talstrecke (auch bekannt als die Rentierstraße nach Karasjok) über 80 km führte uns nach Norwegen. Es kribbelte auf dieser Strecke wie auf einer Achterbahn talabwärts, aber nur wenn man am Gas bleibt. Also, immer Power auch wenn man die Straße hinter der Kuppe nicht sehen konnte.
Bildhinweis: Es gibt ein lustiges Foto bei einer kleinen Pause, als Martin seine Sachen wechselt. Warum? Roberto: "Warum eigentlich, Martin", meld dich mal.
In Lakselv, einer kleinen Stadt hinter der norwegischen Grenze mussten wir wieder stoppen. Da Renato und Torsten keine Visa Karten hatten, brauchten sie unbedingt  norw. Kronen, zum Tanken. Gut das man uns dort einen EC Automaten zeigte. Ich kann nur empfehlen bei solch einer Tour Visa zu benutzen, es macht die ganze Sache leichter.
Das Wetter wurde zunehmend schlechter. Wind kam auf und am Horizont konnte man ahnen, was uns erwartete. Die Route bis Olderfjord kam zudem wie eine Ewigkeit vor. Zum einen, der unebene Fahrbahnzustand (gut das wir unser Gebäck bestens verzurt hatten) und zum zweiten- wie man so schön sagt, "... die Straße nahm kein Ende". Wir bissen uns durch. Ich denke unsere Müdigkeit zeigte sich das erste Mal auf dieser Route.
Daher waren wir froh Olderfjord erreicht zu haben und zu pausieren. Das was wir am Horizont sahen bestätigte sich jetzt. Es machte uns nicht glücklicher, obwohl wir nur noch 131 km bis zum Nordkap hatten. Immer entlang am Porsangerfjord -Norwegens längstem Fjord. Wir sahen eine "schöne" schwarze Wolkenfront vor uns. Zudem wurde es noch stürmischer. Die Temperatur sang auf 5 Grad.
Die letzten km bis zum Kap werden uns in ewiger Erinnerung bleiben.
Diese dunkle Wolke blieb immer links neben uns. So, als schaute sie über die Berggipfel auf uns. Die kleineren Schauer, die sie uns rüber blies konnten uns nicht beeindrucken. Doch der scharfe Wind und die Kälte, die vom Meer kamen ließen uns die Zähne zusammen beißen. Eins drauf, gab es dann im  Nordkaptunnel (6,9 km), als die natürliche kalte Nässe des Tunnels uns in die Sachen kroch. Wir waren froh, als wir dort durch waren.
Ihr habt bestimmt ein oder zwei Bilder von dieser Stecke gesehen. Es sieht, alles sehr romantisch aus. Das ist und bleibt sie, die einzigste Verbindungsstrasse zum Kap. Man muss hier durch und auch wieder zurück. Es ist die einzigste Strasse die man zweimal fahren muss. Nicht nur deswegen bleibt die Strecke uns in Erinnerung. Dort gibt es diesen Mix aus dem sich ständigen wechselnden Wetter mit der kahl wirkenden Natur, den an der Seite majestätisch erhebenden Berggipfel und dem tobenden Meer auf der anderen Seite. Dazwischen, mittendrin der Mensch, als ob dieser durch diese 100 km durchgescheucht wird. Denn, "Was willst du hier, dein Ziel ist jetzt sowieso nur noch das Kap", könnte man meinen, möchte dir die Natur sagen.
Fast geschafft, wir erreichten die Nordkapinsel.
 

Mageröya, auf der Nordkap-Insel ein eigenes Kapitel

Wie spät war es eigentlich, als wir durch den Tunnel auf die Insel ankamen? Es muss gegen 17:00 Uhr gewesen sein. Der Tunnel kostete ca. 8 € und ich war heil froh das ich nur meine Visa rübereichen brauchte, unterschreiben, verstauen und wieder rein in die Handschuhe, kein lästiges Bargeld in die Hände bekommen und zirkulierend verstauen. Da wir ja zu sechst waren dauert es ein wenig bis so jeder bezahlt hatte. Die dann wartenden, stellten sich im Windschatten des Nebenmannes. So war es auszuhalten. Alle bezahlt weiter.
Denkste, Steffen bekam nach wenigen Metern keine Gänge rein. Mist und das bei dem Wetter. Ich stellte mich links neben ihn, um ihn Windschatten zu geben - die rechte Fahrbahn war jetzt von uns blockiert. Schnell war herausgefunden, dass die Kugelköpfe des Schaltgestänge blockierten. Enrico hatte schon WD 40 an der Hand, so das Steffen die Köpfe reinigen konnte. Alles ein bisschen hin und her bewegt und es konnte weitergehen. Steffen blieb dabei ziemlich gelassen. Er sagte später: "Hier so kurz vorm Kap, da wäre ich die letzten 31 km auch mit dem ersten Gang gefahren". Denn das Ziel Nordkap, konnte uns so nah wie wir dem waren, keiner mehr nehmen. Wir hätten sie auch hingeschoben. Na ja nicht ganz. Aber wir hätten die Moppeds schon irgendwie bis zum Kap gebracht.
Bis zum Campingplatz waren es noch 8 km.
Da das Wetter so nasskalt war, nahmen wir uns zwei Hütten für uns sechs. Glück gehabt, das noch zwei frei waren. Was sie gekostet haben, wollt ihr wissen?
Hier die Rechnung: Anzahl der Personen sechs, Betten pro Hütte vier. Preis pro Bett 11,25 € und die Gesamtsumme geteilt durch die Anzahl der Personen, macht?? Ich schreibe schon mal weiter.
Es ist verrückt aber es passierte. Das Wetter schlug um, die Wolken verschwanden, der Wind ließ nach, ach was sag ich, es war fast windstill und die Sonne zeigte sich von der schönsten Seite. Könnt Ihr Euch jetzt vorstellen wie das Wetter aussah? Wir wissen es, wir die ihr Ziel Nordkap erreichen werden, werden von der Natur auf das herzlichste begrüßt. Es war jetzt strahlend blauer Himmel, die Sonne zwickte uns ins Gesicht und das für die nächsten 8 Stunden.
Da wir erst gegen 22:30
Uhr zum Kap wollten, um die Mitternachtssonne zu genießen, nutzten wir die Zeit unsere Sachen auf Vordermann zu bringen. Es entstand ein gewisses Ungleichgewicht in den Taschen und wir mussten sie neu packen. Gleichzeitig nutzen wir das zu einer Revision unseres Vorrates. Klar es ging um unser heiliges Bier. Wir wollten immer auf dem Laufenden sein, wie weit uns die Döschen noch bringen. Sachen auf Vordermann hieß auch, dass wir hier das erste Mal unsere Wäsche wuschen. Übrigens mit Omo. Hm hat das geschnuppert.
Ich muss es noch mal erwähnen. Super Wetter. Klarer Himmel und somit Sonne pur. Temperatur ca. 4 Grad. Wir fahren gegen 22:30 Uhr zum Kap. Vor uns 23 km, die letzen 23 km bis wir unser eigentliches Ziel erreicht haben. Unterwegs hielten wir für  Fotos an.  Wir genossen die letzten 23 km. Die Fahrt ging über ein hügliges Gelände. An manchen Straßenkuppen schien die Sonne parallel zur Fahrbahn, direkt in unseren Helm. Es war fast unmöglich nach vorne zu sehen, die Sonne stand auf Höhe unserer Augen. Wir hielten die gestreckte Hand direkt vor unseren Visier. Nur so, mit zwei leicht gespreißten Fingern , durch denen wir durch lugten, konnten wir weiterfahren. Muss Lustig ausgesehen haben - Hand vorm Kopf - .
Vorn, ja da vorn, dort war das Kap. Nur wenige Meter trennen uns vor unserem Ziel. Vor uns die Zahl - Station. Steffen und ich klatschten uns beim fahren ab. Geschafft. Der Traum, die Idee damals in Avignion, fast 2 Jahren gereift, war jetzt vor uns. Danke Honda, wir haben es geschafft.
Wir kämpften uns an unzähligen Busse, Autos, Wohnwagen und zu letzt an Menschen vorbei, um unsere Bikes so nah wie nur möglich an´s Kap zu fahren. Wir waren da. Vor uns das Kap mit dem Globus. Kurze Unterbrechung. Ich muss Euch was erzählen.
Ihr habt das bestimmt noch nicht gesehen. Ein Armeisenhaufen ist ein Scheißdreck dagegen. Was sich um den Globus da vorne abspielte, komödiantisch. Jeder versuchte ein Foto mit diesem auf einen Podest stehenden Globus zu bekommen. Klar muss sein, ist ja auch normal. Nur standen da einige Leute ziemlich unter Zeitdruck. Rauf auf das Podest, runter davon. Jetzt kommt er oder sie das zweite Mal. Das eben gemachte Bild hat einen fremden Kopf im Hintergrund. Dann wieder einige vor dem Sockel stehend, die sich fotografieren lassen. Jedoch über ihnen, auf dem Sockel, stehende Touris. Die haben jetzt ihre Füße neben ihren Kopf auf dem Bild. Lustig, lustig das hörte erst auf als sie wieder alle verschwanden.
Ich muss heute noch grinsen, lachen oder mir mit den Händen auf die Oberschenkel schlagen. Na gut, wer nicht oben war, kann´s sich nicht vorstellen Also, fahrt hoch und schaut euch das Theater an.
Ich werde mal aufhören. 
Ne, entschuldigt dass muss ich noch erzählen. Von einer japanischen Familie. Ihr kennt sie die Japaner und ihrem Hobby das fotografieren. Jeder kennt sie so, aus einem Bus aussteigen, Foto, Foto, Foto und wieder rein in den Bus, Abfahrt. Aber nicht hier, hier am Kap, vor unserer Nase. Wir hatten jetzt die einmalige Gelegenheit eine jap. Familie länger als 25 Min zu beobachten. Nicht das wir sie ständig beobachteten, ne sie waren immer wieder da. Vor dem Globus. Links daneben. Rechts daneben. Dann wieder vor dem Globus. Einmal, zweimal auf dem Globus. Links daneben, 20 Meter links, 10 m links, 7 Meter davor usw. ( Tja warum nur sieben Meter? Na klar , bei mehr als sieben wären sie die Klippe runter gehobst. Schlaue Brüder, sag ich nur.)
Und jetzt kommt das I Tüpfelchen dazu . Das alles im jap. Laufschritt- kurze kleine und schnelle Schritte. ( Ich muss schon wieder lachen) Wie gesagt das ging eine halbe Stunde. Die haben ein Areal von ca. 30 m in der breite und 10 Meter in der Länge abgelaufen. Das dort hunderte Touris waren und die sich Footballtechnisch - im jap. Laufschritt- zwischen denen durchschlängelten, lass ich mal lieber aus, sonst kriegen wir hier noch einen Lachkrampf. Punkt aus.

OK, jetzt zu uns. Es war kurz vor zwölf. Wir wussten, dass die Touris um 0:30 Uhr mit den Bussen wieder wegfahren. Also blieben dann nur wir und einige Wohnmobilfahrer, die in ihren Wagen schliefen, zurück. Somit hatten wir jetzt Zeit uns das Areal näher und die bekannte Dia-Show anzuschauen. Dort bekommt man per Film die schönsten Naturatraktionen, in allen Jahreszeiten zu Lande, aus der Luft und unter Wasser vom Kap zusehen.  Herrlich die klassische Musik dazu.
Klar das wir dann auch die obligatorische Karte mit dem Nordkapstempel verschickten.
Jetzt wurde es aber Zeit, denn um 01:00 Uhr macht der Laden da oben dicht. Wir hatten aber immer noch nicht das Foto.
Also hin zum Globus. Mist es war keiner mehr da, der uns hätte fotografieren können. Also der Versuch mit dem Selbstauslöser ist dort auch nicht die Lösung. Mist.
Aber da, da kommt einer. Es war ein Schweizer Eidgenosse, der uns in schweizerischer Ruhe fotografierte. Glück gehabt. Danke nochmals.
Wir waren jetzt die einzigsten am Kap. Herrlich, wir genossen es, wussten aber auch, dass wir nun zurück müssen. Zurück hieß Heimfahrt, 4000 km. Komisches Gefühl. Wir waren erst seit Mittwochabend unterwegs, heute ist Montag 01:00
Uhr. Wir müssen nach nicht mal 5 Tagen an Heimfahrt denken. Sch... last uns fahren.
Nachdem uns Martin mit unseren Bikes porträtierte, fuhren wir zurück. Am Schlagbaum hielten wir kurz inne. Komisch, jeder verabschiedete sich nach seiner eigenen Art vom Nordkap.
Steffen heizte vor. Martin und ich folgten langsamer. Renato und Torsten gingen es ruhiger an. Enrico hielt unterwegs öfters an zum fotografieren. Der Einlauf im Camp blieb bei der gleichen Reihenfolge, fast jedenfalls. Martin überkam dann auch das heizen, so das er auf Steffen auffuhr. Ich versuchte dann auch etwas später hinzuheizen, was mir aber nicht mehr gelang. Die beiden waren nicht mehr einzuholen. So kamen wir im Camp unterschiedlich an. Vermutlich weckten wir die, die schon schliefen, da unsere Bikes meilenweit zu hören sind. Egal, wir holten  noch unsere Wäsche aus dem Trockner, tranken noch ein oder das andere Döschen, lachten über unsere jap. Familie, bestaunten unser Bikes in der Sonne -waren die dreckig- und freuten uns eigentlich schon, auf die nächsten Etappen. Es war jetzt 03:00 Uhr, 3 Grad bei  klarem Himmel und die Sonne bräunte unser Gesicht.
Gute Nacht, Biker. Nordkap wir waren hier.
 

6. Tag Nordkap - Alta 230 km pure Freiheit

Wir stehen um 10:30 Uhr auf. Das Wetter hat umgeschlagen. Es war bewölkt und es zeichnete sich ab, dass es wieder regnen wird. Uns störte es nicht.
Der uns bekannte Ablauf trat ein. Duschen, Bikes beladen und ab ging es. Frühstück essen wir unterwegs. Wir wollen noch auf der Nordkapinsel bleiben und fahren nach Honingsvaq. Wir hätten nicht gedacht, dass hier soviel los ist. Kein ausgestorbenes Städtchen.  Hier war reger Auto- und Fußgängerverkehr angesagt. Also halten wir an einem Bistro, bestellen uns leckere Baquettes mit Salami oder Rentierfleisch und schauen uns das treiben an. Nach einer Stunde fahren wir weiter. Tanken, Regenkombi anziehen und los.
Es geht wieder durch den 6,9 km langen Tunnel der uns bekannten Strecke. Mit kurzen Regenschauer, 6 Grad  und mäßigen Wind jagen wir Richtung Olderfjord. Unsere Gruppe verteilt sich über einige Kilometer. Bei einer  kurzen Pause finden wir uns alle wieder. Hier machen wir den Schieferplatten Test, denn wir wollen uns eine kleine Platte als Souvenir mitnehmen. Die Platte soll zum Abstellen der Bikes auf den Seitenständer benutzt werden. Deshalb lassen wir sie aus 40 cm fallen. Geht sie nicht kaputt ist sie in Ordnung. So haben wir dann einige - wir hatten immer noch die Regenkombi an und sahen aus wie Gummibärchen - Zeit verbracht, die besten zu finden. Es entstand zwischen Steffen und mir sogar ein kleiner Wettstreit.
Ok, lass uns die jetzt nehmen und ab nach Olderfjord. Pause war dort angesagt, Käffchen und ein bißchen rumgucken.
Na dann mal weiter, der Regen nimmt zu und sollte erst wieder in Alta aufhören. Entlang der wunderschönen Fjordlandschaft bis nach Alta, der Handelsstadt der Lappen, suchen wir dort das Zentrum. Wir werden enttäuscht, da wir das Zentrum als kleinen modernen "Industriepark" vorfinden. Also geht es weiter, wir suchen ein Nachtlager. Es ist 19:00.  Bei unserer Suche stehen wir ungewollt im Park des  Alta - Museum. Hier sind die bekannten Felszeichnungen, die in der Frühsteinzeit, von 6200 bis 2500 v. Chr. in den Felsstein geritzt wurden. Für die Idee ein anderes Lager zu suchen stimmen alle zu.
Glück gehabt, wir schlagen unser Nachtlager ca. 3 km weiter auf einer Anhöhe mit dem Blick auf den Fjord von Alta auf. Das Platoon wurde begrenzt von einer sich links erhobenen Felswand, dem rechts empor laufenden Wald und hinter uns, ansteigende glatte Felsen. Ideal, es gab nur die eine Zufahrt. Wir hatten sie unter Kontrolle. Da der Regen aufgehört hatte, die Temperatur bei 11 Grad lag und wir uns hier oben wie die Bezwinger des Nordens vorkamen, ist es nicht verwunderlich das wir diesen Platz als schönsten auf dieser Tour nennen.
Renato organisiert wieder das Feuer. Danke Renato. Wir anderen trinken ein Döschen und genießen die Sicht auf den Fjord. Zelte aufschlagen, Luftmatratzen aufpumpen und essen gemacht, ist der nächste uns gewohnte Ablauf. Nachdem wir die nähere Umgebung- wir machten unseren ersten Spaziergang- erkundet haben, setzten wir uns abends ans Lagerfeuer zusammen, tranken ein Döschen, quatschen, freuten uns des Lebens und wollten, für einen kurzen Augenblick die Zeit anhalten. Wir waren mit der Natur im Einklang. Hier lernten wir sie, die uns so noch nie bekannte – pure Freiheit kennen.
Abends am Lagerfeuer besuchte uns eine kleine Katze. Martin kümmerte sich um sie. Es gab feinste Würstchen - nicht mal wir bekamen welche ab - und es wurden Fotos gemacht. Wir waren jetzt zweitrangig. So kam es dann auch das sie nicht mehr ging. Sie fühlte sich bei uns Pudel wohl. Wohl auch, da sich dann Steffen auch noch um sie kümmerte. Gut, das sie die einzigste blieb.
Gegen 22:30 bemerkten wir, das Enrico nicht mehr bei uns am Lagerfeuer saß. Wo ist Enrico. Sein Mopped war vor seinem Zelt Er konnte also nicht weg sein. Also Suchaktion und das mitten in der Nacht. Gut das wir erst im Zelt bei ihm nach sahen. Denn dort hörten wir ihn schon. Er schnarchte unüberhörbar und Träumte bestimmt von ... Na egal, Enrico dann schlaf mal schön weiter. Morgen gibt es zwei Schluck weniger!
Wir saßen dann noch 1- 2 Stunden am Feuer und genossen die Nacht. Steffen und Martin waren dann die letzten, am Feuer. Es war 1:00 Uhr und über die Hälfte unser Gruppe schlief schon.

7. Tag Alta - Tromsö 334 km ein langer Tag

Wie hast Du geschlafen? Wir haben super die Nacht verbracht. Kennst Du das? Du liegst im Zelt, es regnet draußen, frische klare Luft, nur die Vögel zwitschern, du schaust auf den Wecker der 06:00 Uhr anzeigt, jetzt kuschelst du dich in deinen Schlafsack (Komfort Bereich -18 Grad) und schläfst noch mal für drei Stunden. Pure Freiheit.
09.00 Uhr, Innentemperatur im Zelt 10 Grad, Außentemperatur 5 Grad, Nieselregen. Ich also raus. Natürlich war ich mal wieder nicht der erste. Martin beköstigte die Katze, die bei ihm auf dem Mopped stand, putziges Bild. Ich schmeiß noch´n Spruch rüber und verschwand erst einmal im Wald. Danach setzte ich mir Kaffee auf und fing an zu frühstücken. Ganz klar das ich nicht allein blieb. Ihr könnt euch vorstellen das die Katze jetzt bei mir rum schlich. Tipp: Kurz mit ihr reden und sie ist weg. Da jetzt die anderen auch aufstanden und im Wald verschwanden, war das Interesse der Katze denen zu folgen. Wo die alles umher krauchen. Auf mein Mopped kommt die nicht.
Ok, machen wir´s kurz. Da das Wetter nun nicht gerade toll war, lernten die Malchiner etwas dazu. Tipp bei Regen: Erst Kaffeewasser aufsetzen. In der Zeit bis zum Kochen, aufgießen und gegebenenfalls abkühlen, packt man sein Zelt zusammen. Danach kann man dann in Ruhe bei Regen sein Kaffee genießen und ist sofort startklar. Startklar waren wir dann gegen 11:30 Uhr. Da wir noch mal zum Alta Museum wollten, fuhren wir dorthin. Aus dem geplanten Besuch der Anlage wurde aber nichts, da wir Kaffee schlürften, im Shop rumrannten und uns auf den Toiletten wuschen, entschieden wir, daß wir dann mal langsam losfahren sollten. Es war jetzt 12:30 Uhr und wir kamen keine 15 km weit. Renato hatte das bekannte Problem mit seinem Moped, es ging aus und sprang nicht wieder an. Toll. Ihr wisst, er trug seine Urkunde nicht bei sich. Jedenfalls haben wir jetzt gesagt, wir müssen das Problem finden, es kann nur eine Kleinigkeit sein. War es dann auch. Also, Sitzbank ab. Wo ist der Lufteinlass? Aha dort. Da liegt was vor. Wir trauten unsern Augen nicht. Vor dem Lufteinlassstutzen ( wird das Wort mit drei "s" geschreieben? ) lagen einzeln verpackte Zigarillos und die versperrten gelegentlich den Luffteinlaß. Aha, das war das Problem. Weg die Dinger und sie sprang an. Hand davor sie ging wieder aus. Hand weg sie Sprang wieder an. Da Renato in Malchin in der Werkstatt alles unter der Sitzbank für die Reparatur weg nahm, ist den Mechaniker dann halt auch nichts vorzuwerfen, das sie den eigentlichen Fehler nicht fanden. Wie konnten sie wissen, das was vor dem LE lag.
Renato war froh das sie nun wieder tadellos lief. Wir also weiter, so mit 90 km/h. Sch ... , wir hatten in Alta nicht getankt. Wir brauchten Sprit. Wann kommt die nächste? Wir also die Geschwindigkeit auf 80 eingestellt und den Windschatten des Vordermannes ausgenutzt, warteten wir, daß diese nun mal auftaucht. Sonst waren doch alle 30- 40 km welche zu erreichen. Es hatte dann auch ca. eine Stunde gedauert, das wir dann in Badderen ( an der E6) tanken konnten. Torsten hatte nur noch 1, 5 Liter im Tank. Gar nicht erst lange auspellen, weiter gings. Bei Sorkjossen Pause. Wir hatten Hunger, es war ca. 15:00 Uhr. Wie so üblich da oben, gab es mal wieder dicke fette Burger und Kaffee satt oder heißt das sitt. Egal, weiter. Wir wollen bis Olderdalen und die zwei Fähren Richtung Tromsö nehmen. Prima die 17.15 sahen wir weg fahren. Die nächste ging um 18:45 Uhr. Was machen? Also, Kocher raus und Kaffee gekocht. Die Zeit verging so am schnellsten. Die Anschlussfähre um 20:00 Uhr von Svensbu nach Breivikseidet schafften wir dann auch.
In Svensbu an der Fähre stand mal wieder ein deutscher Reisebus neben uns. Gut das wir Martin und Enrico - unsere Bikersprecher - hatten. Sie antworteten auf Fragen, wie: Oh, wie kommt man aus Potsdam hier her? Was ist das Kennzeichen DM? Wo schlaft Ihr bei diesem ungemütlichen Wetter? Ist euch nicht kalt? Kann man denn solange auf dem Moped sitzen? Und, und, und. Unsere Bikersprecher genossen es die Fragen zu beantworten. Wir sahen genüsslich zu.
Die Überfahrt war sehr stürmisch. Wir konnten die Moppeds nicht unbeobachtet stehen lassen. Also verbrachten wir die 20 min. Überfahrt auf den Moppeds, so dass sie nicht umfallen konnten. Martin stand sitzend ca. 1 Meter neben einem Auto. Und da passierte es. Die Fähre schlug wieder gegen die Wellen und Martin konnte sein Moped nicht mehr halten. Er kippte gegen das Auto. Er lehnte jetzt am Auto und konnte nicht mehr zurück. Die Karre war einfach zu schwer. Die stürmische See tat´s noch dazu. Was nun? Wir konnten von unseren Mopeds nicht weg, sonst wären die auch noch gefallen. Martin lehnte immer noch am Auto. Enrico der hinter uns stand, war der erste der Martin half. Ich drehte mich nur um und schaute nach seinem Bike. Oh man, hoffentlich fällt das Teil nicht um. Enrico und ein Passagier retteten dann Martin. Sie stellten ihn wieder auf. Ich sag dann später. " Martin hast du ein Glück gehabt. Hätte die Dame im Auto ihr Seitenfenster aufgehabt, wäre dein Kopf samt Helm in dem Auto verschwunden und du hättest dir vermutlich ihr Dekolleté durch dein Helmvisir ankucken können." Grins.
In Tromsö angekommen suchten wir ein Internetcafe. Es war so ca. 21:30 Uhr . Was für ein Glück, den ersten den wir befragten, zeigte uns gegenüber einen Pub der auch Internet hatte. Wir rein, super, geiler Pub. Internet, Großleinwand - Deutschland gegen Holland - und eine Menge Leute drin, von denen aber nur 5 Fußball schauten. Die anderen im Pub hielten sich an einem Bier so bestimmt eine Stunde auf. Wir also die ersten Nachrichten abgesendet, im Babelsberger Stern gestöbert und dann bei Kaffee, Fußball geschaut. Tolles Spiel. Beim Ausgleich der Holländer, sprangen die Fünf auf und freuten sich über das Tor. Ehrlich ich freute mich auch. "Dann müsst Ihr halt besser spielen", sag ich.
Nach dem Spiel suchten wir uns ein Nachtlager. Wir brauchten bestimmt zwei Stunden dazu, denn wir fanden keins. Beim Suchen passierte dann auch Steffens Debakel - ich hatte es euch angekündigt. Beim Wenden auf einem abschüssigem Feldweg, fand er kein halt mit seinen Füßen. Er trat ins Leere und konnte die Karre nicht mehr halten. Bums, da lag sie nun auf der Seite, ein komischer Anblick. Schäden? Kein Bremshebel abgebrochen. Glück gehabt. Nur die Verkleidung ist geringfügig eingerissen. Es war 0:00 Uhr.
Um 0:30 Uhr fanden wir endlich einen Platz zum übernachten. Wir legten gleich los. Jeder stellte sofort seine Unterkunft auf, so das wir dann um 1:00 Uhr in Ruhe essen konnten. Da Enrico, der sein Zelt erst ca. 10 Meter neben uns aufstellte, ihm das aber unbehagen war - er meinte dort gibt es Schlangen- und er auf 1 Meter rankam, ist es dann zu diesem komischen Zeltaufbau gekommen. Was tut man nicht alles dafür, um nicht so weit von der Truppe zu sein. Grins. Wir plauderten über unseren Tag, was so alles passiert war und beschlossen, demnächst ein Tag Ruhe einzulegen. Auch Biker brauchen mal Ruhe. Martin sagte dazu, es war jetzt 3.00 Uhr, "Alles was uns nicht tötet, härtet ab." Biker durch und durch.
Gute Nacht, Biker. Morgen müssen wir weiter. Es fing mal wieder an zu regnen.

8. Tag Tromsö - Narvik 225 km ein Tag in Ruhe

10:30 Uhr 7 Grad wir stehen auf. Es hört auf zu regnen. Prima, dann können wir ja unsere Zelt trocknen lassen. Da ein leichter Wind geht, dauert es auch nicht lange bis sie trocken waren.
Während dieser Zeit kochten wir uns Kaffee und es gab Brot vom Vortag mit irgendetwas aus der Büchse. Ihr braucht nicht den Mund verziehen, für uns war es wichtig das wir satt wurden. Also, wir beim Essen, die Zelte waren trocken, kam ohne Vorwarnung ein Regenschauer runter. Toll, die Zelte sind wieder nass. Wir alle hoch und die Zelte verstaut, bevor sie durchweichen. Prima, ging ziemlich schnell. Nicht Prima, jetzt waren unsere Brote nass und der Kaffee voller als vorher. Wir lernten an diesem Morgen, daß man die Zelte, solange sie trocken sind verstauen sollte. Ha, ha, ihr braucht gar nicht zu lachen, das nächste mal kommt ihr mit. 2005 geht’s nach Kroatien.
Gegen 12:00 Uhr ging’s die paar Kilometer zurück zur Fähre in Hella, die uns dann nach Vikran brachte. Dort lernten wir einen deutschen abgefuckten Biker kennen, der einen Gummistiefel und einen Lederstiefel an hatte. Er meinte der andere Lederstiefel sei kaputt. Wer glaubt´s wird... Übrigens erzählte er uns, dass er bei 15 km/h zu schnell gestoppt und 300 € zahlen musste.
12.45 Uhr legte die Fähre ab. Überfahrt ca. 20 min. Preis ca. 8 €. Weiter ging’s Richtung E 6. Es regnete. Bei Sorkjos hatte wir irgendwie keine Lust mehr und gingen erstein mal in ein Bistro Mittagessen. Das dauert ca. 1,5 Std. Danach schauten wir in den angrenzenden Supermarkt und kauften uns mal wieder Gummibärchen und Schokolade. Wir hatten Appetit auf Süßes. Jetzt waren wir gestärkt und es ging ziemlich schnell nach Narvik. Unterwegs verlor Enrico das zweitemal Gepäck. Das erstemal war bei Inari - Putzlappen (Schlüpper), hätte ja auch was anderes sein können, da ja Renato damals extra zurück fuhr. Diesmal war es die Ölflasche die vor Renatos Vorderrad tänzelte. Denken wir mal lieber nicht nach, was wäre wenn.
Kurz vor Narvik bei Medby fuhren wir auf den Zeltplatz. Da wir aus dem Regen nicht mehr raus kamen, nahmen wir uns drei Hütten. Wollt ihr wieder rechnen? Ok, heute nicht. Die Nacht kostete 140 Norw. Kr. Da wir nur schlechte Wetterinfos für die Lofoten bekamen, nahmen wir hier unseren Ruhetag. Das hieß, wir blieben zwei Nächte und wollen morgen Narvik besuchen.
Wir freuten uns auf die warmen Hütten, da wir auch unsere Sachen trocknen mussten. Dem entsprechend, war dann die Hütte mal wieder zu klein für zwei. Wir alle nahmen uns vor gegen 22:00
Uhr schlafen zu gehen. Ruhe war halt angesagt. Steffen und ich, mussten uns aber noch´ne Mischung machen. Wir waren nämlich ganz schön erkältet. Wie man ja auf dem Bild sehen kann. Ich glaub es war dann 01:30 Uhr als wir die letzte Mischung zu uns nahmen. Übrigens wir haben prima geschlafen und am Morgen waren wir auskuriert.
Gute Nacht
, Biker

9. Tag Narvik 40 km ein kultureller Tag

Der Blick aus unserer Hütte über den Ofotfjorden in Richtung Lofoten zeigte uns einen dunklen bewölkten Himmel. Gut das wir hier noch einen Tag blieben und hofften somit, daß das Wetter, wie uns gesagt wurde umschlägt. Es war 10:30 Uhr als wir aufstanden. Wir hatten uns gestern verabredet, daß wir um 12:00 Uhr nach Narvik, unserem heutigen Ziel fahren wollten. Steffen und ich frühstückten in der Gemeinschaftsküche. Lecker, heute gab es getoastet Brot und Ei. Duschen, Klamotten an und wir waren fertig. Na ja, heute mal 10 min zu spät. Man wartete geduldig auf uns.
12:10 Uhr Abfahrt und die 20 km bis Narvik stellten kein Problem da. Erst mal ran an die Tankstelle und gegenüber in die Touristeninfo. Hier erfuhren wir, das die zwei Einkaufszentren, das Internetcafe, das Kriegsmuseum und der Hausberg von Narvik das einzigste waren, was man halt hier besuchen könnte. Wo würdet ihr zuerst hingegangen? Also, wir natürlich ersteinmal hin zum Internetcafe. Unterwegs entschlossen wir uns, mal wieder einen Burger zu essen. Super, großer Sattmacher sag ich nur dazu. Dann 25 min im Internet, Nachrichten, Mails ,Torsten und Renato Bilder von unseren anderen Touren gezeigt und wie wird das Wetter sich auf den Lofoten entwickelt, war unser Interesse. Danach ging's ins Einkaufszentrum, Verpflegung für den Abend besorgt und halt bißchen kucken was hier so los ist.
Nachdem wir das bekannte Bild von Narvik fotografierten, ging´s - ne ne, wir fuhren natürlich- zur Seilbahn. Enrico war der einzigste, der sich da nicht reintraute. Als wir ihm dann beglückwünschten zu seinem Entschluss, da er ja dann gleich mal auf die Mopped aufpassen kann, kam es wie es kommen musste. Er fuhr das erste mal mit einer Seilbahn. Natürlich steckten wir ihn in eine Einzelgondel (Bild wird nachgereicht), damit unsere Sachen sauber blieben, falls er sein Inneres auskotzten sollt (mir fällt mal eben kein anderes Wort ein, oder dir). Hoch ging´s auf 656 m für einen Preis von 100 norw. Kr. Jetzt hatten wir einen Wahnsinns Blick auf die Stadt und den Hafen. Da es da oben Kaffee sitt ( oder heißt es satt) gab, blieben wir ca. 2 Std.
17:30 Uhr ging´s zurück zu unseren Hütten. Wir verstauten unsere Sachen, stellten wieder ein Gleichgewicht her - ihr wisst, das Bier wurde nicht mehr und immer weniger -, aßen Abendbrot , leerten das eine oder andere Döschen und gingen dann gegen 0:00 Uhr in die Betten. Man, haben wir heute geschindert.
Gute Nacht Biker.

10. Tag Narvik - Fähre nach Bodö 383 km 2,5 Std Schlaf auf der Fähre

Ich glaube, wir hatten uns heute einen Wecker gestellt, da wir schon um 9:00 Uhr abfahren wollten. Frühstücken, Duschen, die schon gestern Abend gepackten Sachen auf die Mopped´s verzurrt, war der Euch auch schon bekannte Ablauf. Pünktlich fuhren wir ab. Die ersten 70 km bis zur imposanten Brücke über den Vagsfjorden verlief super. Wir waren wieder heiß auf´s fahren und so kamen wir zügig voran. Bis hier verlief alles ruhig. Unsere Mopeds surrten den Asphalt entlang, als ob sie uns den Weg zeigten und wir genossen diese Freiheit.
Was kommt mir denn da entgegen. Ich hatte nicht ein Mal Zeit zu reagieren. Ich hielt auf das, was da auf mich zu kam nur noch drauf. Es sind mir schon ne Menge Sachen entgegen gekommen, aber ein Schlüpper vor meiner Kanzel hatte ich noch nie. Ja, es war ein Schlüpper, ein Schlüpper kein Slip. Zeitgleich tanzte noch eine 1,5 Liter Wasserflasche vor meinem Vorderrad. Gut das sie dann rechts abbog, um den Schlüpper auszuweichen. Woher die Teile kamen? Na woher schon. Enrico, hatte mal wieder seine Sachen nicht festgezurrt. Ichn Spruch rüber und nahm mir dann ab heute vor, hinter Enrico fährst du nicht mehr. Übrigens den Schlüpper (ich habe noch nie so oft Schlüpper geschrieben) benutzte Enrico als Putzlappen. Komisch ich habe ihn nie putzen sehen. Vielleicht war es aber auch ein Talisman. Wer weiß. (Enrico nimm es mir nicht übel.)
Es fing danach auch mal wieder an zu nieseln. Nachdem wir dann so 2 Stunden unterwegs waren hielten wir zur Pause an. Wir tranken dort nur Kaffee (heute mal keine dicken Burger) und lernten zwei deutsche Biker kennen, bzw. sehen, denn die machten sich nichts aus Grüßen. Da dann auch noch ein Bus mit vielen kleinen Kindern anhielt, die in ihrer Pause neben unseren Moppeds Fußball spielen wollten, entschlossen wir uns weiter zu fahren.

Tipp: Wenn in einem Restaurant nur eine Toilette vorhanden ist, und ihr seht es hält ein Bus an, mit so ´ne Schar von lieben, netten, kleinen, Kindern, die dann auch noch diszipliniert aussteigen. Geht vorher auf Toilette.
In Stokmarknes war wieder Halt, an der uns bekannten Web Cam angesagt. Prima, unsere Frauern sahen uns Live im Internet.
In Melbu waren wir erstaunt. Der Weg zur Lofoten-Fähre dauerte durch die Stadt ca. eine halbe Stunde. Wir dachten wir sind in Deutschland zurück. Verkehr über Verkehr. Ampeln über Ampeln. Menschen über Menschen. Na ihr wisst: mit usw. beendet man dann diese Aufzählung. Jedenfalls, endlich an der Fähre angekommen, mussten wir dann auch mal wieder eine Stunde auf den nächsten Dampfer warten. Zum Zeitvertreib gab es irgendwelche öligen Burger, vom Kiosk.
Die Überfahrt war dann aber in Ordnung. Bißchen Sturm mit kräftigen Regenanteil, bißchen mal wieder die Moppeds festhalten und mal wieder vor uns ,eine so bißchen tiefdunkle Wolkenfront. Aber wir kannten uns ja aus, mit unseren Regenkombis. Regenkombi war immer der erste Gedanke bei uns, wenn man eine dunkle Wolke sah. Mal am Rande. Mir fällt mal so eben ein, das wer doch was: Auf ´m Bikertreffen, Wettanziehen von Regenkombis. Natürlich mit voller Montur und das dann auch noch bei dreißig Grad. Danach kannst Du jedenfalls Duschen gehen. Oder?

Wir also mit Regenkombis vom Dampfer. Prima, wir jetzt auf den Lofoten, bei tiefhängenden Wolken, Nebel, Rege
n und so richtig toller Sicht. Prima, wirklich Prima. Ich hoffe das Bild sagt das aus, wo wir jetzt durch mussten. Die ersten Kilometer mit vielen Kurven, eingebetet in den imposanten Bergen mit einer Höhe bis zu 1100 Meter. Es stand für uns fest, hier kommen wir noch einmal her. Na ja und wie es dann so immer ist, du denkst nicht mal zu Ende, riss nach der nächsten Kurve die Wolkendecke auf. Keine 10 min. später fuhren wir in der Sonne und genossen die wunderschöne Landschaft. So kam es dann auch, das wir uns entschlossen, dieses traumhafte Wetter auszunutzen und bis nach Moskenes zu fahren. Dort wollten wir die Nachtfähre nach Bodo nehmen. Unterwegs fuhren wir in den wenigen Ortschaften, die Häfen an, um frischen Fisch zu essen. Überall Fehlanzeige. Warum, keine Ahnung. Wir fanden keinen "Imbiss". Wir sind dann in Ramberg in das Hotel eingekehrt, um halt Fisch zu essen. Wir trauten unseren Augen nicht, es gab dort einen weißen Strand, begrenzt durch die hohen Berge und dem Fjord. Romantisch, Romantisch. Frage mich nur, wann dieser mal benutzt wird.
Nachdem wir reichlich Fisch gegessen hatten, ging es weiter zur Fähre. Da wir bis zur Abfahrt 4 Std. Zeit hatten, vertrieben wir diese mit: Mopeds durchchecken, essen machen, ein oder zwei Döschen kosten, rumlungern und na dann endlich um 23:30 Uhr auf die Fähre fahren. Die Überfahrt dauerte 4 Std. Wir taten das was die anderen auch machten. Man suchte sich einen Schlafplatz, entweder auf den Bänken oder auf den Boden. Wir schliefen ca. 2,5 Stunden, der eine mehr der andere weniger.
Aufstehen Biker!

11. Tag Bodö - Svenningdal 392 km pure Sonne

Das tat gut. Auch wenn es nur 2 Std. waren. Na dann mal hoch, mal sehen was auf der Reling los ist. Oh oh, ist ja ganz schön frisch hier, aber weit und breit keine Wolke zu sehen.
Wir verlassen also bei 2 - 4 Grad + puren Sonnenschein um 3:30 Uhr den Dampfer. Ihr hört richtig, 3:30 Uhr. Warum wir dann weiter fuhren? Da wir in der Gruppe fuhren, hat ein größerer Teil von uns entschieden, daß wir die 23:45 Uhr Fähre nehmen und drüben in Bodö erst einmal weiter fahren wollen, na ja, bis wir dann unser Nachtlager aufschlagen wollen. Reicht die Antwort ? Von mir ne Frage an euch Wie viel, sollten eigentlich aus der Gruppe für den Vorschlag stimmen, damit dieser durchgesetzt werden kann? Ok, ich merke schon, die Fragen werden auch immer leichter.
Also, ich setze mich mit Steffen an die Spitze. Wir wollen ein wenig Tempo machen. Es hat dann auch nicht lange gedauert, bis wir die anderen Fahrzeuge aus der Fähre hinter uns gelassen hatten. Der tschechische Kleinbus, den hatten wir auf der Fähre getroffen, hatte wohl auch keine Lust seine Kerzen abzustellen. Die da drin sind genauso verrückt wie wir. Warum sollte man auch bei diesem  wunderschönen Morgen schlafen gehen. Grins. Es kam dann - wir fuhren gerade paar Kilometer, wie soll es auch anders sein, die Frage: wann wir dann mal unser Nachtlager aufschlagen wollen. Antwort an den der auch für den morgendlichen Trip war: Wir müssen halt noch ein biss´l fahren. Abgesprochen ist abgesprochen. Also, weiter, der Tag ist noch lang. Ehrlich, ob wohl es ziemlich kalt war, 2 - 4 Grad, möchte ich diesen Morgen nicht missen. Wir waren mal wieder, Kilometerweise ganz alleine auf der Strasse, bei purem Sonnenschein und einer einzigartigen frischen Luft. Das hatte was. Trotzdem müssen auch wir mal anhalten. Unser Sprit ging zur Neige. Glück gehabt vor uns eine echt tolle Raststätte. Pech für uns, die machte erst um 7:00 Uhr, incl. der Tankstelle, auf. Es ist 05:00 Uhr. Wann die nächst kommt, keine Ahnung. War uns auch erst einmal egal. Wir entschlossen uns jetzt zu frühstücken und auf jeden Fall einen heißen Kaffee oder Tee zu trinken.
Wir waren immer noch die einzigsten auf der Strasse. Wahnsinn. Hier mal ein Bild in die Richtung, für die nächsten Km.
Nachdem wir gestärkt, etwas aufgewärmt und festgestellt hatten, dass wir jetzt sowieso nicht schlafen können, entschlossen wir uns, solange der Sprit reicht weiterzufahren. Wie soll es auch mal wieder nicht anders sein. 20 min später trafen wir auf eine Raststätte, die um 6:30 Uhr auf machte. Wir waren die ersten Kunden. Getankt, aufgewärmt, na ihr wisst schon die Sanitäranlagen besucht- draußen war es halt zu kalt- ging es bei diesem super Wetter weiter. Ich muss es noch einmal erwähnen. Wir hatten an diesem Tag eine wahnsinnige frische Luft. Wann und wo erlebt man das heute noch? Über das Hochplatoon Saltfjelle-800 m - hielten wir am Polarkreis. Da wir dort die einzigsten waren, mussten wir mit dem obligatorischen Bild etwas schummeln. Frage: Könnt ihr sehen, wer nicht in das Original passt? Lustig oder auch erschreckend für die die im Wohnwagen waren, war dann unser kleiner Spaß. Mitten auf dem großen Parkplatz stand ein ital. Wohnmobil. Wir haben natürlich nicht´s anderes zu tun, als das wir dann beim Abfahren einige Runden um sein Wohnmobil fuhren. Die haben sich da drin bestimmt umklammert und Santa Maria angebetet, das die Horde mal lieber weiterfahren sollte. Na klar, haben wir dann auch.
Wir sind dann so eine Std. gefahren und kamen mal wieder zum Halt. Enrico machte den Vorschlag, dass wir dann mal eine Pause einschlagen sollten, da er der einen Kurve nicht mehr folgen konnte. Ok, lasst uns jetzt abmatten. Es wurden 3 Std daraus.
Prima das wir nicht kompliziert sind. Die nächste Wiese auf der wir uns verteilten, war unsere. Irgend jemand sagte dann später, überall auf der Wiese hat es geschnarcht.
Es muss so 13:00 Uhr gewesen sein, als wir weiter fuhren. Wir besuchten den bekannten Laksfoss und kamen nach 150 km an einen Zeltplatz, mit direkten Wasseranschluss. Hier fühlten wir uns pudelwohl. Knapp 20 Grad, pure Sonne, kein Wind. Es war der einzigste Tag auf der Tour, der uns so mit dem Wetter verwöhnte. Enrico war dann auch der, der als einzigster in den Fluten war. Wie kalt wollt ihr wissen? Enrico meinte keine 6 Grad. Wie er das nur wusste. Martin war dann auch so hin und her von dem Wetter, das er sich für 45 min ausklinkte und seinem Yoga nach ging. Eigentlich muss ich das auch erwähnen. Er wollte vom ersten Tag an, jeden Tag mit uns Yoga machen., hatte er sich vorgenommen. Er rechnete aber nicht mit uns "harten" Biker. Wir hatten ihn Abends wohl immer mit unseren .... abgelenkt. Gegen 00:30 Uhr war dann Nachtruhe angesagt, nachdem wir jeder bei Kerzenschein und einem Glas Milch noch ein Buch gelesen hatten. Stop, noch nicht einschlafen. Enrico meinte ich müsste das unbedingt auch aufschreiben: Ich, gegen 01:00 Uhr raus aus dem Zelt. Ihr wisst schon, man muss auch mal raus Nachts, wegen der Milch. Ich dachte ich sehe nicht richtig, was für ein wahnsinns Sonnenuntergang. Ich wollte das nicht alleine genießen. Also, ich versuchte meine Bikerkumpel zu wecken. Aber denkste, denkste einer wollte sich das Schauspiel anschauen. Es kam immer nur so ein "Ja, Ja". Ihr kennt das. Unsere Fotomaschine war bei Steffen. Der war aber nicht wach zu kriegen. Enrico brummte nur. Martin gab mir wenigstens seinen. Renato bequemte sich zu fotografieren. Torsten, na der mit dem Ja Ja. Und jetzt kommst, warum ich das überhaupt schreiben sollte, wie Enrico meinte. Weil, ich habe dann ein paar Bikersprüche rüber formuliert, weil keiner sich aus dem Zelt bewegen wollte. Ich habe sie wohl so gut gesprochen, so das sie dann auch in Erinnerung blieben. Aber seit doch mal ehrlich, es kann doch nicht sein, dass ... usw. Jetzt fange ich schon wieder an. Gute Nacht Biker. Es war ein herrlicher Sonnenuntergang.

12. Tag Svenningdal - Trondheim 355 km Dombesuch

Morgen, morgen. Komisch, heute standen wir alle, fast zeitgleich auf. Lag es am Wetter? Es war trocken, leicht bewölkt und so um die 15 Grad. Bestes Wetter um zu biken. Unseren morgendlichen Ablauf kennt ihr ja schon. So war es dann auch, das wir um 11:40 Uhr los sind (40 wie genau!). Ein Blick zurück zeigt unseren zurück gelassenen Müllsack. Der war übrigens mal wieder voll. Ich schreibe jetzt extra nicht weiter, was da alles drin sein könnte.
Also ab nach Trondheim. Es war ein toller Tag zum Fahren. Viele Kurven, waldiges Gelände und super Temperaturen. Gut das unsere Tank´s gefüllt waren, denn die nächste Tankstelle tauchte erst nach 80 km
auf. Trotzdem ran an die Säulen, Gummibärchen und Schokolade gekauft, ein bißchen rumgestaunt und nach ca. 30 min ging´s weiter. Kultur war angesagt. Nächster Halt deswegen nach ca. 1,5 Std bei Steinkjer, um den Staudamm und die Lackstreppen zu besuchen. Ich habe euch ja gesagt, nicht nur biken war angesagt.
Am späten Nachmittag hielten wir in Trondheim genau im Zentrum, ungewollt bei MC Donalds. Aber was soll´s, essen muss jeder mal. Wir wurden hier wieder netterweise empfangen, lags an uns oder an unseren Moppeds, die fast an der Tür geparkt waren?
Den berühmten Nidaros Dom (Nidaros hieß Trondheim früher) besuchten wir natürlich auch. Martin ging rein und wir passten sicherheitshalber auf die Mopped´s auf und bestaunten ihn von draußen. Gedanke dazu: Ist euch schon mal aufgefallen, sobald eine Kirche, Dom oder d.g. irgendwo- ich weiß meistens im Zentrum- rum stehen, rennen sie alle rein. Warum eigentlich?
Nächster Halt war das Internetcafe. Übrigens dort gingen wir alle hinein. Nachrichten, Wettervorhersage und über Formel One informiert, waren unser Interesse. Hier lernten wir Basti und Sabrina aus Merseburg kennen. Wir unterhielten uns über unsere Routen und bekamen Tipps, wo die nächsten Polizeikontrollen Richtung Süden zu finden sind. Das gegenüber im Pub Formel One gezeigt wurde, bekräftigte nur unser Interesse, den aufzusuchen. Wir blieben bis zum Zieleinlauf- Schumi hatte gewonnen - und stellten fest, das wir dann mal langsam ein Nachtlager suchen sollten. Es muss jetzt 20:00 Uhr gewesen sein. Gut das wir gegenüber am Internetcafe nochmals Basti und Sabrina trafen. Wir entschlossen uns mit ihnen zu fahren, um in ca. 12 km den Zeltplatz bei Flakk zu nehmen. Toller Platz und nur 80 Kr. wollte der Platzwart für den Einzelnen haben. Da die Mücken - das erstemal auf der Tour- unerträglich waren, gingen wir nachdem wir natürlich ein oder zwei paar Döschen, Apfelnektar und Martin mal wieder mit seiner neuen Flamme telefonierte, gegen weiß ich nicht auf die Matte. Den Sonnenuntergang wollte komischer Weise keiner verpassen.
Gute Nacht Biker, scheiß Mücken.

13. Tag Trondheim - Isfjorden 320 km ab durch den Tussentunnel

8:30 Uhr es regnet bei 9 Grad. Ab zur Dusche, heiß duschen ist angesagt. Mit dem nur umgehängten Handtuch zurück. Komisch, eine angenehme Kälte. Danach alles, samt nassen Zelt zusammen gepackt. Wir verabschieden uns von Basti und Sandra und fahren um 10:00 Uhr los. Die Atlantikküstenstrasse ist unser nächstes Ziel. Den Umweg in Richtung Trollstigen, dem heutigen Etappenziel nehmen wir gern in Kauf. Bis dahin müssen wir die ersten 120 km im Dauerregen fahren. In Halsa nehmen wir die Fähre (20 min) nach Kanestraum. 36 Kr. müssen wir löhnen. Bei Gjemnes bestauen wir die imposante Brücke und freuen uns auf die Überfahrt. Denkste, da wir nach Kristiansund wollen, müssen wir ab durch den Freifjordtunnel (5.200 m). Die letzten 24 km nach Kristiansund führen auf der bergigen Inseln vorbei an weiteren Brücken und farbenfrohen Häusern. Auf der Fähre nach Bremnes ( 32 Kr.) machen wir die erste Pause. Die nicht einmal 5 km lange Atlantikküstenstrasse, an der sämtliche kleine Inseln direkt an der Küste, wie Perlen an der Schnur, mit Brücken verbunden sind , ist beeindruckend. Hier halten wir natürlich an der uns bekannten Web-Cam. Oho, war das ein Spiel hat sie nun ausgelöst oder nicht.  Steffen und ich machen uns daraus einen Jux. Noch mal hin, dann wieder zurück und noch mal hin, usw. Wenn der eine hin rennt muss der andere natürlich hinterher. Kurz, wir sind im Internet zu sehen.
Bei Molde kaufen wir für den Abend ein. Etwas Obst und vermutlich wieder eine Büchse mit: na ja irgendetwas war schon drin und machte satt. Die Strecke bis zur Fähre nach Sölnes führte uns durch zwei Tunnel unter den Moldefjorden. Der eine war für Moppeds kostenlos, der andere kostete nicht mehr als 10 oder 12 Kr. Das der eine Tussentunnel (2.700 m) hieß, belustigte uns für so einige Sprüche. Na ja, liebe Frauen so ist das nun mal, wenn Männer unterwegs sind.
Weiter mit der Fähre über den Storfjorden nach Äfarnes. Es ist dann auch nicht mehr weit bis nach Isfjorden zum Campingplatz. Übrigens wenn wir wieder hier sein sollten, dieser Campingplatz steht dann wieder auf unserer Liste. Top ausgestattet. Es ist 19:15 Uhr, 13 Grad, die Sonne schien, so konnten unsere nassen Zelt trocknen, bevor wir - ihr wisst schon- nach ein oder zwei Döschen im Zelt verschwanden.
Seid mal ehrlich, wartet ihr etwa darauf, wann denn mal unsere Döschen zu neige gehen? (Ich grins jetzt und schüttle leicht den Kopf nach rechts und links.)
Gute Nacht, Biker.


14. Tag Isfjorden - Hunderfossen 358 km der Martingruß wird geboren

Ihr wollt wissen wo Hunderfossen liegt? Paar Kilometer vor Lillehammer.
Aufstehen, packen, Frühstücken und um 09:30 Uhr Abfahrt. Wir sind super eingespielt. Das Wetter ist heute O.K. Um die 12 Grad, kein Regen.
Die paar Kilometer bis Trollstigen kein Problem. Wir machen dort eine Pause, zwischen hunderten Touristen. Komisch, keine Japaner zu sehen. Eigentlich fast nur Deutsche. Schade. Also, nach 30 min weiter. Ab nach Linge zur Fähre, vorbei an vielen Erdbeerfelder und Kirschplantagen. Die Überfahrt nach Eidsdalen dauert 20 Min. und kostete um die 20 Kronen. Super das das Wetter mitspielte, denn wir fuhren zum Aussichtspunkt auf den Geirangerfjord. Geil, war das ein Blick. Wir blieben dort bestimmt 40 min. Es war absolut, die Spielzeugschiffe im Fjord und dann als Zugabe der Hubschrauber, der durch den Fjord flog. Einfach genial.
Aber was soll´s, wir müssen weiter. In Geiranger nur kurzer Halt. Es war mal wieder ein Ameisenhaufen dort. Stellt Euch vor, drei Kreuzfahrtschiffe die ihre Fracht entluden. Es waren hunderte von Touris, die von einem Kiosk zum anderen rannten. Also, ab zum Dalsnibba, 1476 m hoch. Die Strecke bis dort hin, nutzen wir zum heizen. Kurven über Kurven, Passstraßen und dann die Autos oder Busse, an denen wir natürlich vorbei wollten bzw. mussten. Anstellen war nicht. Zum Dalsnibba, ging´s natürlich langsamer. Der Straßenbelag, ja wie soll man sagen, na so´n grauer festgefahrener Sandweg, rutschig und der die Moppeds so richtig dreckig machte. Der vorherrschende Nebel unterstützte die Sache. Und dann, oben eine Katastrophe, hunderte (na ja fast hundert) von Bussen, die den ganzen kleinen Platz da oben verstellten. Die tausende Touris (die aus den Schiffen) die angereiht dort oben im Nebel standen, ein Armeisenhaufen, dichtgedrängter als am Nordkap. Man sah an diesem nebeligen Tag da oben nichts. Aber gebucht ist gebucht.
Wiederum, wäre es da oben nicht so durchgeknallt, hätten Steffen und ich bzw. wir alle nicht den Gaudi-Spaß gehabt. Es war mal wieder Theater angesagt. Steffen und ich, waren als erste oben. (Haben wir besseres Profil?) Und jetzt kam die Vorstellung (wir genossen das), wie wir mit unseren Moppeds durch die Menschenmassen fuhren. Man machte uns Platz, so wie man es von der Tour de France kennt. Wir fuhren bis zum äußersten Punkt vor und wurden dort mit spannenden Blicken empfangen. Man bewunderte unsere Moppeds, wie bzw. wo die nun hier auf einmal herkommen, mitten aus dem dicken Nebel, wo man nur Busse, nur dicht an einander gereihten Touris sah und kein Pfad, wo man hergekommen wäre. Einfach so raus aus einer Menschengruppe. Echt, es war kein Platz dort oben. Die mussten sich wegen uns beiseite drängeln. Gut das wir dunkle Visiere hatten. So konnte man unser breites Grinsen nicht sehen. Na ja, und dann wie immer, die üblichen Fragen wurden gestellt. Ihr kennt sie: Warum, weshalb, wieso, woher fährt man mit einem Bike so weit. Wir konnten sie für paar Minuten hinhalten und waren dann froh, dass Enrico und Martin auftauchten, die den Dialog übernahmen. Wir sahen dann aus weiter Entfernung (2m) genüsslich zu. Danke an die Bikersprecher – aber eine Weltreise hatten wir nicht gemacht?! Grins. Ihr (Enrico, Martin) wisst ja wie ich es meine, ihr kennt mich.
Während der Fahrt auf der S 15 (mal wieder eine Stunde Dauerregen) rüber zur E 6, da entstand er, der Martingruß. Man stelle sich vor, vor dir fährt Martin mit immer gleich bleibender Geschwindigkeit (90 -100 km) und dann, unvermittelt nimmt er abrupt Gas weg. Was passiert dann? Logisch, das Bike nimmt beträchtlich an Geschwindigkeit ab. Die dann dahinter fahrenden haben ganz schön zu rudern. Das wusste wohl Martin auch und kündigte auf seine Art den Lastwechsel an. Wie ? In dem er, den linken Arm zum Körper führte und eine Halbkreisbewegung nach links vorbei am Kopf machte. Warum, wollt ihr wissen? Ganz einfach. Er sah den vor uns aufgehenden Regenbogen und machte ihn nach. Fast Gleichzeitig nahm er das Gas abrupt weg – ihr wisst man dreht dabei die Hand nach vorn. Er plante, ne besser, er hielt ja fast schon an, wegen Foto usw. Wir, die dahinter fuhren legten dadurch erst einmal mal zwei Bremsspuren auf die Strasse- zwei schlingernde „ S“. So entstand er dann, der Martinsgruß. Wenn wir uns Nordkapfahrer sehen, was schätzt ihr den wie wir uns begrüßen? Richtig. Von rechts nach links führende halbkreisende Armbewegung am Kopf entlang und mit der rechten Hand (arm ist als ob man am Gas ist) nach vorn drehend. Probiert es mal. Man kann das auch tänzeln und schön im Takt bleiben.
Um 21:00 Uhr schlugen wir unsere Zelte auf. Ihr könnt Euch vorstellen, Thema Nummer eins an diesem Abend, der Martingruß. Wie gesagt man kann ihn auch tanzen. Versuchte es einmal selbst.
Ha, heute passierte es. Wir wussten, irgendwann würde es uns treffen. Wir verfluchten den Tag. Aber heute passierte es. Steffens Vorrat an Bier war zu Ende. Gut das es zwei min weiter, eine Tanke gab und dort 2,25 %-iges Bier. Ein Glück, dass ich noch zwei deutsche Döschen hatte, die ich mit Genuss trank.
Zum Martin Gruß- ZMG.
Gute Nacht, Biker. Wer schnarcht da bloß wieder?


15. Tag Hunderfossen - Fredensborg (DK) 760 km Schwedennnnnnnnnnn

Warum wir heute soweit fuhren. Es ergab sich einfach. Da wir durch Schweden durchgeheizt sind, sagen wir heute gerne noch Schwedennnnnnnnnnnn - das Wort muss schnell und mit breiten Mund gesprochen werden.
Ok, aber erst einmal fahren wir von Hunderfossen los. Es ist 09:00 Uhr bei 14 Grad und noch kein Regen. Rüber zur Tankstelle, dort wird gefrühstückt und ab nach Lillehammer, wo wir uns eine Sprungschanze anschauten. Richtig, richtig Kultur war angesagt. Grins.
Die Temperatur steigt auf 21 Grad. Ich nehme sogar mein Inlett raus, da ich davon ausgehe, dass es so schön bleibt. Denkste, denkste. Kurz vor Oslo fängt es dann an zu nieseln. In Oslo entscheiden wir uns, dass wir weiter fahren, denn bei dem aufkommenden Regen macht ein Stadtbummel kein Spaß.
Also weiter die E6 Richtung Süden. Warum der, der vorne gefahrene ist, nicht angehalten hat, um die Regenkombi anzuziehen, bleibt ein Rätsel. Nachdem wir also nach 45 Min. durch peitschenden Regen fuhren und jemand den Vorschlag machte, man könne ja mal die Dinger anziehen, beschlossen wir: „Na ja, jetzt brauchen wir sie auch nicht mehr“. Wir gingen davon aus, dass es aufhört zu regen und unser Gore Tex besser im Fahrtwind trocknen könnten. Mal wieder: „Denkste“. Der Regen und die Kälte wurden noch schlimmer. Wir hielten es noch eine Stunde aus und beschlossen, jetzt in Schweden einzukehren. Wir sind dann in so´ne Art Kiosk mit Selbstbedienung und 5 - 6 Tische. Wir nahmen die hinten und waren froh, dass wir dann mal endlich unsere Klamotten ausziehen konnten. Das Wasser lief an unseren Sachen herunter, als ob wir da irgendwo einen Wasserhahn angebracht hätten. Nur gut das die Klimaanlage eingeschaltet wurde und der Boden gefliest war. Zum einen wegen der Luftfeuchtigkeit im Kiosk und zum anderen, die Fließen ließen das Wasser nicht weg. Für die Reinigung war somit Wischwasser ausreichend vorhanden. Übrigens, das Essen und der Kaffee waren lecker. Danke an die nette Bedienung. Ehrlich gesagt, weiß ich echt nicht mehr, auf welcher Höhe wir da in Schweden einkehrten.
Wir beschlossen die Fähre von Helsingborg nach Helsingör zu benutzen. Wir fuhren ca. 1,5 Std. bis dort hin, im Regen.
Ja, und schon waren wir aus Schweden auch schon wieder raus. „Schwedennnnnnnnnnnn“. Die Fähre brachte uns nach Dänemark. Was schätzt ihr denn, was wir auf der Fähre gekauft hatten? Richtig. Döschen, denn jetzt waren sie wirklich hin. Und? Klar, Parfüm für unsere Frauen. Ich sag nur Sehnsucht.
Um 23:00 Uhr, als wir unsere Zelte im Dunkeln aufstellten- jeder Handgriff saß-, brach somit auch die letzte Nacht auf dieser Tour an. Aber zuerst - ihr wisst- mussten wir ein bis zwei Döschen trinken. Ich holte mein 0,5 l Reservedöschen aus der letzten Ecke meiner Rolle hervor. Das Döschen war extra dafür gedacht, wenn dann mal unser Einheimisches aufgebraucht ist, dann gönne ich mir dieses am letzten Abend. Ein Genuss
Es war 01:30 Uhr Es regnete.
Gute Nacht, Biker. Zum Martin Gruß – ZMG.

16. Tag Fredensborg - Potsdam 418 km ohne Worte

Es ist 07:00 Uhr jemand schleicht draußen rum. Ah, Renato. Ich dreh mich noch mal um, 08:00 Uhr war wecken angesagt. So war es dann auch. Aber, wir sind am diesem Morgen nicht so aus den Knick gekommen. Abfahrt war erst um 10:30 Uhr und unsere Fähre von Gedser nach Rostock ging um 13:00 Uhr. Na toll, jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Prima, toll und wir sind spät dran. Also, zwischen 140 – 166 km/h geht’s bei „schönem“ Regen und toller Gicht über die Autobahn. Klar, haben wir es geschafft. Die Überfahrt war stürmisch. Im Restaurant, wir hatten Kartoffel-Gemüse Buffet bestellt, schlugen die Wellen stetig gegen die Fenster. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass wir im obersten Restaurant speisten. Na ist ja alles gut gegangen und drin geblieben.
Tja, und dann waren wir in Rostock. Komisches Gefühl, das wir jetzt wieder zurück sind. Also ab, wir sechs, Richtung Heimat. Torsten war der erste der uns verließ, bei Rostock. Renato verabschiedeten wir an der Raststätte Glasewitz. Da waren wir noch vier. Martin fuhr gleich nach Berlin weiter. Da waren es noch drei. Von Steffen trennten wir uns an der Abfahrt Marquardt. Da waren wir noch … Tja, Enrico und ich trennten uns in Potsdam. Da waren wir nur noch allein. Was wohl die Anderen machen, die schon eine Weile zu Hause sind?

Bis zum nächsten mal Biker. ZMG

Schlusswort

Ich würde Euch jetzt gern sagen, wir toll, wie geil, wie wunderschön, wie … diese Tour war. Aber, wie drückt man es aus?
Wie wir es erlebt haben, kann im Bericht nachgelesen werden.
Aber vielleicht trifft es das am besten, auf eine Frage, die mir kurz nach der Tour gestellt wurde:
„Was war denn das Schönste an der Tour?“
Ich bin dann in Gedanken die Dinge durch, die ich sagen würde: Biken, pure Freiheit, Nordkap, Lofoten, endlose Weiten, Geiranger, Zelt, Lagerfeuer, Lachen, Regen, Kälte.
Nur kam mir dann der Gedanke, würde ich das alles Beschreiben, würde es viel zu lange dauern und ich konnte mich nicht auf eins festlegen.
Ich antworte dann:
„Das Schönste an der Tour war, mit Freunden, mit Biker unterwegs gewesen zu sein“.
Viele von Euch wissen, wie ich es meine und was es ausdrückt.

Im dem Sinne LG

Enrico, Martin, Renato, Steffen, Torsten, Roberto


Dank an unsere Frauen